Die Farben der Musik 

Ich möchte mit dieser Serie eine „hörbare“ und sichtbare Brücke schlagen zwischen der darstellenden- 
und der bildenden Kunst.“
Musik erweckt in jedem von uns Assoziationen.  Durch sie entstehen Bilder vor unserem inneren Auge. 
Warum sollte es nicht möglich sein, umgekehrt durch Bilder - Musik in uns entstehen zu lassen. 
Das ist die Grundidee der Serie „Die Farben der Musik“. Losgelöst von ihrer ursprünglichen Form, 
verselbständigen sich reale und abstrakte Elemente aus der Musik und finden sich gleichsam in einer 
Musik- Komposition neu zusammen. So gesehen ist jedes Bild ein verschlüsseltes Musikstück , das sich
dem Betrachter dann offenbart, wenn er sich frei macht von allen äußeren Einflüssen. Das Auge kann durch die
Wahrnehmung der Formen, der Farben, des Gleich- und des Ungleichgewichts, der rationalen Gliederung, Auskunft
über das Arrangement des Musikstücks bekommen. 
Die in Gouache und Spritztechnik gearbeiteten Bilder sind bereits als CD-Cover erschienen.

Vom Weltall aus gesehen, ist die Erde ein blauer Planet. 
So ist sie die Welt der Wale und nicht die des Menschen.

        

           

     

Das Leben der Wale

Vom Weltall aus gesehen, ist die Erde ein blauer Planet. So ist sie die Welt der Wale und nicht die des Menschen.

Die in Gouache  und Spritztechnik  gearbeiteten Bilder führen uns in die bizarre Unterwasserwelt der Wale.
Und doch ist jedes Bild für sich ein Kunstwerk mit besonderer Ausdruckskraft. In dem Bild Begegnung  ist das
ganze Geschehen auf den  Blickkontakt reduziert. 
Das Walauge blickt den Betrachter an und zieht diesen in seinen Bann. 
Man spürt die hautnahe Begegnung, die ansonsten nicht möglich ist. Der Gesang der Wale ist eine sphärische
Metapher, die uns durch die Darstellung des Wals im Weltall den Gesang des Wals fast hörbar erscheinen lässt.

Hingegen ist das Bild „Die Legende der Wale“ eine malerische Nacherzählung. Eine alte Überlieferung berichtet, 
so erzählt die Künstlerin, dass man eine Walherde beobachtet habe, die versuchte, eine Walkuh mit neugeborenem 
Kalb vor den Walfängern zu schützen, indem sie Blasennetze warfen.
Die weißen Luftblasen stehen im Kontrast zu dem bedrohlich wirkenden dunkelblauen Wasser.
Dicht aneinander gedrängt verharren Mutter und Kind. Wichtig war unter anderem für die Malerin, die gesellschaftliche
Ordnung der Wale in ihren  Bildern  darzustellen. Der  Betrachter soll nicht „draußen bleiben“,  sondern ein Gefühl für
diese  einzigartigen Lebewesen und ihre Lebensweise bekommen.

So zeigt das Bild „Lana und Käni“, (Titel des gleichnamigen Bilderbuchs von Ruth Heinemann) die enge soziale 
Bindung zwischen Mutter und Kind. Es ist ein  lebendiges,  liebevolles Bild.  Mutter  und  Kind  sind  untrennbar 
in malerischer Schönheit dargestellt.

Das Besondere an diesem Bild ist,  dass die dargestellten Wale ganz eigene Persönlichkeiten besitzen.  
Aus der dunklen Tiefe empor durch Farne und Meeresalgen, taucht im Bild „Meister  des Tauchens“ ein Buckelwal
dem warmen lebens spendenden Sonnenlicht entgegen. 
Man spürt die gewaltige  Kraft  des Wals beim Auftauchen, ohne dass der Körper des Wals sichtbar ist.

Das Bild „Die Jagd“ zeigt, wie mit gemeinsamen  Kräften  die Wale emporstossen, um die zusammen- getriebenen 
Garnelen in ihren riesigen Mäulern zu verschlingen. Der Malerin ist es mit diesem Bild gelungen, den Moment der 
gebündelten  Konzentration einzufangen.
Die  ungezügelten  Kräfte  des Ozeans und  die der größten Meeresbewohner werden zu einer Einheit.

In dem Bild „Walspringen“ zeigt sich die reine Lebensfreude.  Das quirlig schäumende blau-weiße Wasser und die
Bewegungsstudien der Sprungphasen des dunklen Walkörpers spiegeln das Wohlgefühl des Wals wieder. 
Doch im Bild „Die Bedrohung“ erscheint plötzlich die Welt wie erstarrt. Man kann fast den Eindruck haben, einem alten,
erfahrenen Einzelgänger auf seiner Wanderung zu begegnen - wenn da nicht in der oberen Bildhälfte der  Rumpf eines
Bootes auftauchen würde. Dadurch verändert das Bild komplett seine Aussage. Der Betrachter kann die Bedrohung fühlen.

„Es war nicht meine Absicht, nur  „schöne,  phantastische Bilder“  zu malen“, erklärt die Malerin. „Um Wale darstellen
zu können, musste ich mich mit ihren Lebensgewohnheiten und auch mit den Gefahren, denen sie begegnen, auseinandersetzen. 
Mir erschien es unbedingt notwendig, dieses dunkle Kapitel darzustellen. Selbst heute können die Wissenschaftler noch nicht
endgültig sagen, ob wir Menschen  die Walbestände nicht soweit dezimiert haben,  dass  ihr Fortbestand langfristig nicht mehr
gesichert ist“.

So entstand das grausame Bild „Das Ende“. Aber auch hier zeigt sich das malerische Können der Künstlerin. In einer Metapher
erfasst sie in diesem Bild gleichsam die Gier des Menschen und die ausweglose Lage der gefangenen Wale. 
Es gibt kein Entrinnen für den Wal - erbarmungslos wird jeder Teil seines Körpers verwertet. Dagegen ist das Bild „Lebensfreude“
wie ein Aufatmen. Die hereinbrechende Nacht und die dunkle Silhouette des lebensfroh springenden Wals verbinden sich in Harmonie. 
Der Lebensraum Meer gehört wieder ihm.

Das Bild „Die Walfamilie“ ist ein Meisterwerk der Künstlerin. Es ist ein Bild, das den Betrachter in Einklang mit sich selbst bringen soll. 
In  perfekter Komposition zeigt das Bild drei Wale, diese aber weniger in ihrem Element, dem Wasser,  als in einer Kombination
von Wasser mit dem Weltall. Es ist eine Metapher,  die uns die unvergleichliche Schönheit eines „noch“ auf dieser Erde lebenden 
Säugetiers  nahe bringen  soll.  Das  Bild „Die Maschen der  Zeit“ erscheint gleichsam wie ein Spiegelbild.  Auch wir Menschen sind 
Säugetiere und bewohnen den Planeten Erde für eine bestimmte Lebensspanne.

Langsam in die Unendlichkeit davon schwebend, entfernen wir Menschen uns von unserer hochtechnisierten Gesellschaft auf der
Suche nach dem Ursprung des Seins.

Die Serie, die mich tief beeindruckt hat, ist eine Gratwanderung  zwischen Illustration und freier Malerei. Und gerade dies macht sie
so interessant. Die  Malerin hat ihre Vision „Das Leben der Wale“ in  ihrer eigenen Art glaubhaft und überzeugend, ohne Kompromisse
einzugehen,  dargestellt. Sie  hat  es verstanden, die Atmosphäre ihrer Themen einzufangen. Obwohl in der Serie die Farbe Blau dominiert, 
besitzt jedes Bild durch Setzung der Licht- und Schattenpartien ein eigenes Profil. Abstrakte Strukturierungen werden mit realistischen
Darstellungen zu einer ästhetischen Botschaft verknüpft. So schickt  Ruth  Heineman mit  dieser Serie  den  Betrachter  auf  eine
phantastische Reise. Die Bilder lassen mich nachdenklich und bewegt zurück.

Prof.Dr. Andrea Zielke-Nadkarni

       

 

   

 
Maschen der Zeit

 

                     

  

    

 

     


Mutter und Kind


Wasser des Lebens

       
Serie: "Verlust"

 

Kinderbuch

Illustration Kochbuch

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